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Superpapi auf zwei Rädern

Türchen öffnen im Advent: Unsere Mitarbeiter zeigen, was sie in ihrer Freizeit so anstellen. Heute: Wie Philipp Familie und Sport unter einen Hut bringt.

Eigentlich pumpte Philipp Werner lieber im Fitnessstudio anstatt sich aufs Bike zu setzen. Doch als sich ein paar ehemalige Kollegen aus Jux und Gaunerei zum 24-Stunden-Rennen in Waldkirchen anmeldeten, wollte sich Philipp nicht lumpen lassen und sagte auch zu. Im Laufe der Wochen sprang dann aber ein Teilnehmer nach dem anderen ab. Am Ende blieben nur Philipp und ein einziger Kollege über. Die 24 Stunden wollten die beiden zu zweit nicht machen, sie entschieden sich für 6 Stunden. „Vier Wochen vorher habe ich mit dem Training begonnen. Ich hatte ein bleischweres Fully für 900 Mark“, erinnert sich der Passauer Werkstattmeister.

120 kg brachte er damals auf die Waage, Muskeln über Muskeln, ein richtiger Fitness-Bolzen. Doch der Mucki-Man fühlte sich wohl auf dem Bike. Und so entschied er, dass er nach dem 6-Stunden-Rennen weitermachen möchte. Ab sofort setzte er sich ein Ziel pro Jahr und trainierte dafür. Er fuhr das 6-Stunden-Rennen alleine, nahm am Sauwoid-Marathon teil usw.

Heute startet er bei sechs bis sieben Rennen jährlich, am liebsten fährt er lange Distanzen wir beim Öztal- oder Mondseemarathon, wo er 200 km lang alles aus sich und seinen Beinen herausholt. Um den Sieg geht es dabei nie. „Ich muss nicht zu den Besten gehören. Was zählt, ist der persönliche Sieg, das Gefühl, es geschafft zu haben.“

Das Training geht er entsprechend locker an. „Ich trainiere so oft es Familie, Haus, Garten und sonstige Ausreden zulassen“, sagt er und lacht. „Allzu ernst nehme ich die Sache mit den Rennen nicht. Ich will mein eigenes Level halten, radle natürlich regelmäßig, würde aber fürs Training nie meine Familie hinten anstellen. Samstags finden in der Kettler-Community immer Rennen statt, an denen man mit dem Hometrainer teilnehmen kann. Das mache ich schon gerne. Aber wenn meine Frau mit den Kindern zum Christkindlmarkt will, komme ich natürlich mit. Das Training muss für mich ganz entspannt sein, ich will dafür nicht auf Zeit mit der Familie verzichten.“ Zwei, drei Einheiten pro Woche müssen reichen. Dafür packt Philipp es dann etwas härter an, um fit für die Rennen zu werden.

Die Rennen selbst verbindet er gerne mit einem Kurztrip mit den Liebsten. „Wir reisen immer alle gemeinsam mit dem Wohnmobil an.“ Wer jetzt denkt, die Familie würde applaudierend am Ziel stehen und Philipp würde sich feiern lassen, irrt sich allerdings. Nach der Zieleinfahrt wird aus dem Rennfahrer nämlich wieder der Superpapa. Es geht ab ins Freibad, an den See, in den Freizeitpark – wonach der Familie eben ist. An ein Erlebnis erinnert sich Philipp noch heute schmunzelnd: „Ich nahm an der Super Giro Dolomit teil. Nach 10 Stunden, 232 km und 5234 hm erreichte ich das Ziel. Meine Familie wartete im Freibad auf mich. Als ich nachkam, strahlte mein Sohn und rief: Hurra, endlich ist der Papa da, jetzt können wir Fußball spielen.“ So ist das eben, wenn man Familie hat. Die einen schlürfen nach dem Rennen isotonische Getränke, lassen sich auf der Siegerehrung feiern oder gönnen sich einen Snack, die anderen spielen mit ihren Kindern Fußball.

Der nächste Wochenendtrip steht übrigens schon: 2018 will Philipp an der Salzkammergut Trophy teilnehmen. Dieses MTB-Rennen mit 210 km und 7119 hm wird in Fachkreisen nicht umsonst als „einmal Hölle und zurück“ bezeichnet. „Das wird das Härteste, was ich bisher gemacht habe“, sagt er. Ein bestimmtes Ziel hat er nicht, er will einfach nur durchkommen. 14 bis 15 Stunden Fahrzeit peilt er an. Ob er danach noch Lust auf Fußball hat?