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In 15 Stunden durch die Hölle

Einmal Hölle und zurück hat sich unser Werkstattmeister Philipp Werner genehmigt. Er hat die Salzkammergut Trophy gemeistert.

210 km, 7119 Höhenmeter, anspruchsvolles Gelände mit harten Trage- und Schiebepassagen – die Salzkammergut Trophy steht nicht umsonst unter dem Motto „Einmal Hölle und zurück“. Doch unser Passauer Werkstattmeister hat sich diesen Trip in den Kopf gesetzt und ihn bravourös gemeistert.

Ein Jahr lang hat er auf Österreichs größten MTB-Marathon hingefiebert, vielen, vielen Leuten von seinem Vorhaben erzählt, um sich selber etwas unter Druck zu setzen. „Das war auch gut so, hätten es nicht so viele Freunde und Bekannte gewusst, wäre ich nicht angetreten. Denn am Tag vor dem großen Rennen habe ich nur noch gedacht: Was für eine scheißblöde Idee“, erzählt er. Aber aufgeben kam nicht in Frage, diese Blöße hätte sich Philipp nie gegeben.

Am Start spürte er die Nervosität in jeder Faser seines trainierten Körpers. „Ich bin bei Rennen nie nervös, weil es bei mir ja immer nur ums Schaffen, nie aber um Bestzeiten geht. Aber dieses Mal war ich mir überhaupt nicht sicher, ob ich bis ins Ziel komme. Ich habe nie länger als drei Stunden am Stück trainiert und wusste überhaupt nicht, wie mein Körper reagiert, wenn ich ihn auf einmal weit über 10 Stunden lang an die Grenzen bringe.“

Doch er startete – gefühlt mehr schlecht als recht. Denn er fiel sofort unter die Letzten ab, wurde zig mal überholt. Wie die Auswertung zeigt, war er lange Zeit unter den letzten 50 der rund 700 Teilnehmer. Philipp ließ sich nicht beirren, fuhr sein gemütliches Tempo weiter. Wenn es stellenweise auch schneller gegangen wäre, so hat er sich nicht getraut, mehr aus sich herauszuholen. Seine Strategie war es, sich die Kräfte perfekt einzuteilen.

Nach fünf Stunden im Sattel ging es ihm super. Jetzt war er derjenige, der die anderen überholte und Platz um Platz nach vorne rutschte. Der Frieden währte allerdings nicht lange. In etwa nach der Halbzeit machte sich Erschöpfung breit, es war heiß und Philipp war als Einzelkämpfer auf der Strecke – also ohne Begleiter, die ihn motiviert und mit Verpflegung versorgt hätten. Er war auf die Verpflegungsstationen im Abstand von 20 km angewiesen. Doch diese wurden immer spärlicher. „Es gab irgendwann nur noch Wasser, Wurst, Käse, Melonen und dergleichen. Aber ich hätte dringend Kohlenhydrate gebraucht, der Zucker einer Cola hätten mir in dem Moment so gut getan“, erinnert er sich an die Strapazen. Philipp ist auf dieser langen Distanz völlig unerfahren, hatte zu wenig Gels dabei, die den Körper mit wertvollen Nährstoffen pushen. In seiner Verzweiflung fing er an, volle Gels aufzuheben, die andere Teilnehmer verloren oder versehentlich weggeschmissen hatten. Und diese Energiezufuhr hat ihn schließlich gerettet. Es ging immer weiter.

Er sah verletzte Teilnehmer, geschwächte Supersportler, die aufgaben. Das motivierte ihn. Denn als er sah, wie schlecht es vielen anderen ging, merkte er, wie gut er selbst die Strapazen wegsteckte. „Zu diesem Zeitpunkt habe ich nicht mehr daran gezweifelt, dass ich ins Ziel komme. Ich konnte mir zwar noch nicht vorstellen, dass ich nach 9 Stunden im Sattel immer noch zwischen 4 und 7 Stunden vor mir hatte. Aber ich wusste, dass ich es packe.“

Bis dahin war es allerdings immer noch ein sehr langer Weg. Im letzten Anstieg gab es  ein schweres Gewitter. Anschließend war alles nass und es hat extrem abgefrischt. Das Sandwasser haftete an den Teilnehmern wie eine zweite Haut. „Irgendwann hat es der Dreck auch in die Hose geschafft. Es fühlte sich an wie Schleifpapier. Wirklich brutal. Mein Hintern… naja, die Details erspare ich euch“, erzählt Philipp und kann nur einen Tag nach der Extremerfahrung schon wieder lachen.

Und dann brach sie an, die letzte Etappe der Salzkammergut Trophy. Diese letzte Stunde versetzte Philipp in einen regelrechten Flow. „Ich hatte ein extremes Hochgefühl, konnte treten, als gäbe es kein Morgen, ich spürte einfach gar nichts mehr, außer dieses Wahnsinnsgefühl – und ich hab mich so auf ein Bier gefreut.“

Nach 15 Stunden und 12 Minuten in der Hölle erreichte er das Ziel. Viel Worte hat er für diesen einzigartigen Moment nicht. „Ich war einfach happy!“

Ob es ein zweites Mal gibt? Während dem Rennen war die Antwort ein deutliches Nein, nach der Zieleinfahrt ein zögerliches Vielleicht und heute zwinkert Philipp: „Naja, es hat schon Spaß gemacht!“